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Talkin‘ bout my…eh YOUR generation: So arbeiten Alt und Jung richtig gut zusammen

Ich bin Mitte 30 und gehöre damit per Definition nicht zu den Digital Natives. Trotzdem sind digitale Tools ganz selbstverständlicher Teil meines Alltags. Mein halbes Leben liegt auf Trello, ich schreibe zu Themen rund um die digitale Transformation, arbeite remote in unterschiedlichen Konstellationen von Leuten und mit einer ganzen Reihe an Sharing-Tools. Ich bin eine von den “Jungen Wilden”, den digitalen Köpfen, dies-das-digital und so – und dann sitze ich in der U-Bahn inmitten einer Gruppe von 12-Jährigen und denke: Ich verstehe die nicht. ‘Haste schon das Meme von Lisa auf TikTok gesehen – sooo geil!’ Während ich unauffällig “Tick Tock” bei Ecosia eingebe, höre ich mich Sätze denken, wie ‘Als ich in deinem Alter war, habe ich noch mit meinen Freunden auf dem Bolzplatz gespielt, statt die ganze Zeit an dem Smartphone rumzudaddeln.`

Wie können Menschen, die in komplett unterschiedlichen Welten sozialisiert wurden, zusammenarbeiten?

Sätze, die mit “Als ich in deinem Alter war…” anfangen, gehören zu denen, die man sich geschworen hat nie zu sagen, als man in…also damals. Plötzlich fühle ich mich sehr alt. Mich und diese Jugendlichen trennen noch nicht einmal 20 Jahre. Von meinen Eltern, von denen eine Hälfte noch berufstätig ist, trennen sie fast 50 Jahre. Ich frage mich: Wie können Menschen, die in komplett unterschiedlichen Welten sozialisiert wurden, zusammenarbeiten? Im selben Unternehmen? Auf dasselbe Ziel hin? Wie würde sich das wohl anfühlen, wenn einer der drei Teenies mir plötzlich die Welt oder eine Kommunikationsstrategie erklären wollte? Mir sagen würde, dass Trello längst in der Bedeutungslosigkeit verschwunden sei? Dass mein Content wirklich “supernice” sei und ich mich daher ab jetzt ums Intranet kümmern dürfe, weil Curly – die Neue – jetzt den Blog schriebe?

Innovation lebt von der Vielfalt an Perspektiven.

Eine Führungskraft in dem Unternehmen, für das ich eine Zeit lang gearbeitet habe, sagte immer: “Altwerden ist nichts für Feiglinge”. Ich glaube, sie hat Recht. Auch und gerade im Hinblick auf alternde Unternehmen. Die Kombination aus digitaler Transformation und demografischer Entwicklung erfordert von ihnen eine richtig große Portion Mut und Offenheit. Sie müssen Wege finden, sodass Menschen ganz unterschiedlicher Generationen gut zusammenarbeiten. Die Kombination aus dem Erfahrungswissen der älteren Mitarbeitenden und dem Mindset und digitalen Know-How der Jungen birgt enormes Potential. Dieses zu heben, setzt voraus, dass alle unvoreingenommen, wertschätzend und neugierig aufeinander zugehen. Nicht immer passiert das automatisch. Ohne bewusste Reflektion der eigenen Vorurteile erliegen ältere Mitarbeitende schnell dem Impuls, die Jungen so zu behandeln, wie sie in ihrem Alter behandelt wurden oder ihre eigenen Erfahrungen 1:1 in Erwartungen zu übersetzen (Wir erinnern uns an das Bolzplatz-Beispiel oben.). Umgekehrt sprechen die Jüngeren den Kolleg*innen Ü50 mitunter jegliche Digitalkompetenz ab. Lassen wir uns von diesen Gedanken leiten, fördern wir ein Klima der Homogenität, in dem wir uns nur mit Menschen umgeben, die uns ähnlich sind. Innovation lebt jedoch von der Vielfalt an Perspektiven und Erfahrungen! Diversität gilt auch in Bezug auf Alter und Lebensphasen.

Wir alle spüren Unsicherheit angesichts einer Zukunft, die nicht planbar ist.

Dass dabei Reibung entsteht, ist ganz klar. Und wunderbar! Denn Reibung setzt Energie frei, und die können Unternehmen hervorragend nutzen, um sich weiterzuentwickeln. Vorausgesetzt, sie schaffen Raum für Reflektion und Austausch zwischen Mitarbeitenden unterschiedlicher Altersgruppen. Dieser Raum kann digital entstehen und sich analog fortsetzen. Über smarte Tools können Kolleg*innen sich gezielt für einen Generationenaustausch zusammenfinden. Gleichzeitig sind Führungskräfte gefragt, Formate der Begegnung anzubieten, die uns mit unseren Vorbehalten konfrontieren, Verständnis für andere wecken und uns motivieren, voneinander zu lernen. Denn die großen Veränderungen unserer Zeit betreffen uns alle, egal ob Alt oder Jung, und wir alle spüren Unsicherheit angesichts einer Zukunft, die nicht planbar ist. Ein Team, in dem vielfältige Erfahrungen und breites Wissen in ständiger Bewegung sind, macht uns nicht nur kreativ, sondern gibt auch Sicherheit. Keiner kann und muss alles wissen und können. Aber wir alle können etwas von jemand anderem lernen. Und genau darum geht es!

Erfahrungswissen lässt sich nicht einfach googeln, sondern steckt exklusiv in den Köpfen und Herzen der Kolleg*innen.

Es gibt viele großartige Methoden, die die Zusammenarbeit zwischen Menschen unterschiedlicher Generationen in Zeiten ständiger Veränderung fördern und noch dazu leicht umzusetzen sind. Eine kleine Auswahl:

1. Storytelling

Ältere Kolleg*innen verfügen oft über einen breiten Erfahrungsschatz, der sich jedoch nicht mal eben auf ein Pitch-Format oder ein Manual runterbrechen lässt. Es sind viel mehr Geschichten vom Umgang mit Widerständen, mit schwierigen Situationen, mit neuen Herausforderungen angesichts eines bewegten Arbeitslebens, die sie zu berichten haben – und die es wert sind, gehört zu werden. Storytelling gibt diesen Geschichten eine Struktur und den Mitarbeitenden eine Möglichkeit, sie zu transportieren. Das macht nicht nur den Erzählenden Spaß und lässt sie Bestätigung spüren, sondern trifft auch das Gehör der Jüngeren. Denn Erfahrungswissen lässt sich nicht einfach googeln, sondern steckt exklusiv in den Köpfen und Herzen der Kolleg*innen.

2. Mentoring

Generationenübergreifende Mentoring-Duos sind eine tolle Möglichkeit, sich auf Augenhöhe zu begegnen, ungefiltert seine Fragen loszuwerden und in einem Klima gegenseitigen Vertrauens voneinander zu lernen. Klassisches Mentoring geht davon aus, dass erfahrene Mitarbeitende ihr Wissen an Nachwuchskräfte weitergeben. Aber es geht auch anders herum. Beim “Reverse Mentoring” zeigen die Digital Natives den älteren Generationen, wie sie denken und arbeiten und dabei neue Technologien nutzen.

3. Projektarbeit

Die besten Projektteams sind die, die sich selbst zusammenfinden – und zwar anhand der Interessen und des Wissens der Mitarbeitenden und ausgehend von ihrem Wunsch, sich einzubringen. So läuft die Projektinitiierung bottom-up:

  1. Ein*e Mitarbeiter*in hat eine tolle Idee für ein Projekt, das ein wichtiges Thema oder eine aktuelle Herausforderung im Unternehmen betrifft.
  2. Der oder die Mitarbeiter*in bringt seine Projektidee auf die (digitale) Agenda und sucht eigeninitiativ nach den bestmöglich qualifizierten Unterstützer*innen im Unternehmen.
  3. Ein Matching-Tool informiert automatisch die Kolleg*innen mit den passenden Skills für das Projekt. Diese können sich mit einem Klick dem Projektteam zuordnen.

Alter? Egal.

4. Stärken stärken

Statt an unseren Schwächen rumzudoktorn ist es wirksamer, uns auf unsere Stärken zu konzentrieren und diese weiterzuentwickeln. Dieser Ansatz nimmt Druck und Frustration und motiviert uns, uns bestmöglich im Sinne des Unternehmens einzubringen. Die Bereitschaft, Neues zu lernen, ersetzt er aber nicht. Trotzdem ist es ok zu sagen: “Das kannst du sicher besser als ich. Wollen wir Aufgaben tauschen?” Stück für Stück entsteht so ein Bewusstsein für die Stärken der anderen (älteren und jüngeren) Kolleg*innen.

5. Slack Time

Slack Time ist sowas wie unternehmensrelevante Freizeit. An einem festen Tag im Monat haben Mitarbeiter*innen “frei”, um an etwas zu arbeiten, das sie interessiert und gleichzeitig im Sinne des Unternehmens ist – sei es die Entwicklung eines Spiels oder die Neugestaltung der Büroräume. Indem jede*r kurz präsentiert, woran er oder sie arbeiten wird, kann jede*r Mitstreiter*innen für das eigene Vorhaben finden. Bei dieser informellen Zusammenarbeit entstehen oft spannende Gespräche. Und nebenbei lernen alle ihre Kolleg*innen von einer anderen Seite kennen, sehen ihre Interessen und Talente.

Und wer weiß, vielleicht trifft man sich nach Feierabend auf dem Bolzplatz. So wie damals.

Über die Autorin: Katja ist Mitte 30, Redakteurin und Texterin bei Tandemploy und erkennbar kein Digital Native. Ihr Notizbuch? – Aus Papier. Ihr Lieblings-Gadget? – Eine Polaroid. Ihr erstes Soziales Netzwerk? – Uboot (ja…). Sie arbeitet zu 100% remote, am liebsten im Coworking Space ihrer Wahl, wobei besagte Wahl zu 90% auf den von ihr selbst gegründeten Space fällt. Praktisch. 

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