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How-to: Einen Talent Marktplatz im Unternehmen launchen

Best Practice: So hebt die Lufthansa Group in der Krise ihr ganzes Potential

Wieviel Potential verschenken Unternehmen, wenn sie versteckte Talente und Skills ihrer Mitarbeitenden nicht nutzen und fördern? Diese Frage treibt immer mehr Organisationen um, neben der durch die Krise noch einmal verstärkt sichtbar gewordenen Notwendigkeit, vernetzter und flexibler zu arbeiten. Ein digitaler Talent Marktplatz ermöglicht beides: ein besseres Talent Management und eine kollaborative, agile Arbeitsweise. So sah das auch die Lufthansa Group und startete mitten in der Krise ihren Talent Marktplatz CanDo. Im Interview am Ende dieses Beitrags spricht Tamara Winter, Manager Performance & Potential Management bei der Lufthansa AG, über die Beweggründe, den Weg bis zur Einführung des Marktplatzes und ihr Zwischenfazit nach den ersten Monaten.

Doch wie funktioniert ein digitaler Talent Marktplatz eigentlich? – Im Prinzip wie ein Wochenmarkt: es gibt Menschen, die etwas anbieten, Menschen, die gezielt nach etwas suchen und solche, die sich einfach treiben lassen und nach Inspiration suchen. Man kann schnell und zielgerichtet einkaufen oder neue interessante Dinge ausprobieren.

Das zu handelnde Gut auf einem Talent Marktplatz im Allgemeinen und auf dem Tandemploy Talent Marketplace im Speziellen sind die Talente der Mitarbeitenden, wobei die Tandemploy-Software den Talentbegriff bewusst breit definiert: Sie berücksichtigt Fähigkeiten, Erfahrungen, Soft Skills, Hard Skills, Kompetenzen und Wissen gleichermaßen und fördert ihren Austausch – und das über sämtliche Abteilungen und Hierarchiestufen hinweg. Denn auf einem Talent Marktplatz sind alle gleich, alle können Expert*innen sein und alle sind definitiv Lernende.

But first: Culture

Dieser Ansatz setzt eine Unternehmenskultur voraus, die von Offenheit, Neugier und Teamwork geprägt ist. Oder aber den Willen, eine solche Kultur zu etablieren. Auf dem Weg dorthin kann ein digitaler Talent Marktplatz ein ideales Tool sein, denn er ermöglicht ganz neue Erfahrungen im Arbeitskontext und wirkt so als Transformationstreiber. Bestimmte Grundbedingungen sollten dennoch erfüllt sein, damit der Marktplatz seine Wirkung im Unternehmen entfalten kann:

  1. Vorstand und Geschäftsführung unterstützen die Initiative (oder blockieren sie zumindest nicht).
  2. Relevante Abteilungen treiben die Einführung aktiv voran, z.B. HR, Innovation und/oder Change Management
  3. BR und die Bereichsleitung Business sind mit an Bord

Transformation in Sicht: Mit Teamwork in wenigen Monaten zum Talent Marktplatz

Die grundsätzliche Bereitschaft zur Veränderung ist in der Organisation vorhanden? – Wunderbar. Dann muss im nächsten Schritt ein Projektteam installiert werden, welches die Einführung des Talent Marktplatzes von der ersten Kontaktaufnahme mit dem Anbieter bis zur Implementierung im Unternehmen und darüber hinaus begleitet. Die Einführung des Tandemploy Talent Marktplatzes ist bei guter Vorbereitung und Zusammenarbeit extrem niedrigschwellig und dauert im Durchschnitt nicht länger als drei Monate. Je nach Unternehmensgröße kann dieser Zeitrahmen natürlich variieren. Um das Projekt umzusetzen, reicht es, ein bis zwei Mitarbeitende mit dem Projektmanagement zu betrauen. Das Customer Success Team von Tandemploy begleitet die Projektleitung auch nach dem Launch und über die gesamte Laufzeit hinweg. Das Team unterstützt bei der internen Kommunikation sowie beim Stakeholder Management und sammelt permanent Feedback ein. So entsteht ein wertvoller Informationspool, auf dessen Basis das Tandemploy Product-Team die Software kontinuierlich weiterentwickelt.

Erstgespräch: Wie wichtig ist Talent in Ihrem Unternehmen?

„Die Beschäftigung mit dem Tandemploy Talent Marktplatz setzt einen Reflektionsprozess in Gang, im Zuge dessen Unternehmen anfangen, sich grundsätzliche Fragen zu ihrem Talent Management zu stellen“, so Tandemploy Digital Transformation Leader Linda Mihalic. Diese Fragen sind auch für die spätere konkrete Zusammenarbeit wichtig, etwa:

  • Welche Priorität genießt Talent Management aktuell im Unternehmen?
  • Was kostet es das Unternehmen, Talente nicht optimal einzusetzen, nicht weiterzuentwickeln, Wissen nicht über Abteilungen hinweg bedarfsgerecht zu nutzen oder gar Talente an den externen Markt zu verlieren?
  • Gibt es eine Talent Management-Strategie mit Prozessen und Guidelines?
  • Wie steht es um die Talent Mobility im Unternehmen? Können Mitarbeitende bereichs- und abteilungsübergreifend eingesetzt werden?
  • Nach welchen Kriterien werden Aufgaben verteilt und Stellen besetzt?
  • Welche Gründe bewegen uns als Unternehmen dazu, uns mit dem Thema Talent Marktplatz zu beschäftigen?
  • Welche Herausforderungen sehen wir im Zusammenhang mit dem Marktplatz?

“Diese und andere Punkte besprechen wir im Erstgespräch mit Organisationen, die sich für unsere Talent Marktplatz Software interessieren.”

Raus aus den Silos – auch auf technischer Ebene

Neben der kulturellen und organisatorischen Ebene spielt die technische Ebene eine Rolle. Auch hier ist es wichtig, Silos aufzubrechen. Was offene Strukturen und Kommunikationsräume für die Mitarbeitenden sind, sind entsprechende Schnittstellen und Integrationsszenarien für die Software. Diese ermöglichen es bestenfalls, dass

  • standardisierte, cloud-basierte Software problemlos an die firmeneigene Kernsoftware andocken kann,
  • einzelne Anwendungen in beide Richtungen kommunizieren und
  • alle Mitarbeitenden externe SaaS problemlos nutzen können.

„Unternehmensstrukturen müssen angesichts der Dynamik von Märkten und Bedürfnissen möglichst flexibel gestaltet werden, auch in technologischer Hinsicht“, erklärt Tandemploy Chief Innovation Officer Steffen Welsch. „Für den Einsatz der Tandemploy-SaaS bedeutet das ganz praktisch, dass der digitale Talent Marktplatz als eine Art Experimentierraum clever mit der Core-Software verknüpft wird. So lässt er sich  gemeinsam mit anderen standardisierten, cloud-basierten Einzellösungen nach dem Baukastenprinzip zu einer quasi-individuellen Gesamtlösung zusammensetzen, wobei die Einzelteile bei Bedarf jederzeit ergänzt, ausgetauscht oder ganz weggelassen werden können“, so Steffen. Ein eigenes auf das Unternehmen abgestimmtes Wording und Branding sorgt dafür, dass sich der Talent Marktplatz ganz natürlich in das Mosaik aus verschiedenen Anwendungen im Unternehmen einfügt.

Auswahl des richtigen Tools – gar nicht so einfach (oder doch?)

Es gibt verschiedene Software-Anbieter, die sich auf die Fahnen geschrieben haben, das Talent Management in Unternehmen zu revolutionieren. Beim Vergleichen hilft es, sich eine Checkliste mit relevanten Faktoren zu machen. Hier spielen Fragen eine Rolle, wie:

  • Wie kompatibel ist das Tool mit bestehenden HR-Systemen (wie z.B. SAP SuccessFactors, Workday, …)
  • Wie datensicher ist das Tool?
  • Werden die Daten ethisch verarbeitet?
  • Bringt das Tool wirklich die erwünschen Transformationseffekte (Career Path Planning Tools vs. echte Talent Marketplace Tools)
  • Wie etabliert / sichtbar ist die Marke? (z.B. in Business-Netzwerken wie LinkedIn)
  • Welche namhaften Firmen nutzen das Tool bereits erfolgreich?

Testphase: Im Pilotprojekt Erfahrungen sammeln

Für die Implementierung eines Talent Marktplatzes im Unternehmen empfiehlt es sich, eine Pilotgruppe zu bilden und mit dieser zu starten. So kann das Tool, seine Usability und seine Wirkung gemeinsam mit den Mitarbeitenden unter Realbedingungen getestet und es können wertvolle Learnings für seine unternehmensweite Einführung gesammelt werden.

In einer solchen Pilotphase befindet sich aktuell auch die Lufthansa Group, die im November vergangenen Jahres den Tandemploy Talent Marktplatz gelauncht hat. Wir haben mit Tamara Winter, Manager Performance & Potential Management bei der Lufthansa AG, über den Prozess bis zur Einführung und ihr erstes Zwischenfazit gesprochen.

Best Practice: Einführung eines Talent Marktplatzes bei der Lufthansa Group

Liebe Tamara, ihr nutzt seit fast drei Monaten den Tandemploy Talent Marktplatz, den ihr CanDo genannt habt. Was waren die Gründe für die Einführung des Marktplatzes?

Die Frage kann man aus zwei Blickwinkeln beantworten. Was die Organisation betrifft, wollten wir mit einem digitalen Marktplatz unseren Mitarbeitenden die Möglichkeit geben über Abteilungs- und Gesellschaftsgrenzen hinweg zusammenzuarbeiten. Über den Tellerrand zu schauen, Silos aufzubrechen und dabei KollegInnen für Projekte zu gewinnen, die man vielleicht noch gar nicht auf dem Schirm hatte. Für die Kabine war es zudem immer das Hauptziel Transparenz über Angebote außerhalb der fliegerischen Tätigkeit herzustellen. Der zweite Blickwinkel ist die HR-Sicht und hier war es unser Ziel mehr über die Skills und Interessen unserer Mitarbeitenden herauszufinden, um so in Zukunft passende Programme anbieten zu können, wie z.B. bestimmte Trainings.

Wie habt ihr die Mitarbeitenden an das Tool herangeführt?

Wir sind mit einer klar definierten Pilotzielgruppe gestartet, in der wir vorab umfassendes Stakeholder Management betrieben haben, um zunächst den genauen Bedarf zu ermitteln. Natürlich gab es begleitend zum Roll-Out auch interne Kommunikation, Webcast und Live Demos im System.

Gab es Vorbehalte auf Seite der Mitarbeitenden? Wenn ja, welcher Art? Und wie seid ihr ihnen begegnet?

Tatsächlich nur wenige und wenn überhaupt, dann gab es Zweifel, ob der oder die Vorgesetzte einem Einsatz zustimmen würde. Insgesamt haben wir auch im Vorfeld viel Zustimmung und Unterstützung seitens der Belegschaft erlebt.

Gab es Vorbehalte von Seiten der Führungskräfte? Wie konntet ihr sie überzeugen?

Hier gab es vielleicht ein paar mehr Vorbehalte, jedoch auch viele Führungskräfte, die die Plattform befürwortet haben. Der größte Zweifel war wohl, ob auch die anderen Führungskräfte mitmachen würden, sodass es zu einer fairen Verteilung, bzw. einem gesunden Austausch von Ressourcen kommen kann. Wir haben in vielen persönlichen Gesprächen die Vorteile des digitalen Marktplatzes erklärt und vor allem auch die hohen Leitungsebenen frühzeitig eingebunden.

Welche Voraussetzungen sind deiner Einschätzung nach nötig, um gut mit der Marktplatz Software zu arbeiten – technologische wie kulturelle?

Ein neuerer Browser als Internet Explorer 11 – kleiner Spaß, also eine reguläre, zeitgemäße IT-Ausstattung sollte vorhanden sein. Die Tandemploy Software läuft sowohl auf dem PC als auch auf dem Smartphone. Kulturell sollte eine Organisation wohl zumindest aufgeschlossen für das Thema New Work sein, wobei wir da sicherlich auch noch am Anfang eines Transformationsprozesses stehen.

An welchen Moment im Prozess erinnerst du dich gern zurück? Was war dein Highlight?

Mein persönliches Highlight waren die ersten Tage nach dem Go Live. Wir haben unglaublich viel positive Resonanz bekommen und Abteilungen kamen proaktiv auf uns zu, um uns zu Webcasts, Demos und weiteren Formaten einzuladen. Eine tolle Bestätigung, dass der digitale Marktplatz ein Projekt ist, was die Leute begeistert.

Und was war dein größtes oder eindrücklichstes Learning im Prozess?

Man sollte in großen Organisationen nie die Komplexität von Abstimmungsschleifen unterschätzen. Und gerade deshalb ist es wichtig realistische Deadlines zu setzen und ehrlich dazu zu kommunizieren.

Wie hat sich die Arbeit seit Einführung von CanDo bereits verändert? Kann man nach rund 2,5 Monaten schon Veränderung spüren?

Trotz der tollen Rückmeldungen, kann ich dazu noch nicht viel sagen. Aufgrund der hohen Kurzarbeitsquoten, arbeiten wir zurzeit ohnehin in einem ganz außergewöhnlichen Modus zusammen. Ich denke einen Einfluss von CanDo kann man erst so richtig ausmachen, wenn das Geschäft wieder anzieht.

Kannst du uns was zur Nutzer*innenzahl sagen – wird der Marktplatz gut angenommen?

Trotz der hohen Kurzarbeitsquoten haben sich in den ersten 2,5 Monaten ca. 1400 KollegInnen von den insgesamt etwa 4000 der Pilotgruppe registriert. Wir sind sehr stolz auf dieses große Interesse! Viele NutzerInnen haben sich auch positiv über die Usability der Tandemploy Software geäußert und zudem gab es viel Lob für die Initiative an sich.

Welche sind die nächsten Schritte im Hinblick auf die Nutzung des Talent Marktplatzes? Was ist euer Ziel? Und wie arbeitet ihr darauf hin?

Natürlich geht es nach der Pilotierung zunächst um den weiteren Roll-Out und hierbei müssen wir gemeinsam mit dem Business eine sinnvolle Vorgehensweise finden. Ein erster Schritt wird dabei die Einführung von CanDo im April 2021 bei der Kabine sein. Mittelfristig ist es dann unser Ziel, die beiden Instanzen „Kabine“ und „Boden“ in eine Webseite zu überführen, um auch hier eine übergreifende Zusammenarbeit zu ermöglichen.

Vielen Dank für das schöne Gespräch, liebe Tamara!

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